Betriebsarzt Pflicht: Ab wann, Kosten und Aufgaben
Betriebsarzt Pflicht: Ab wann, Kosten und Aufgaben
Jeder Arbeitgeber in Deutschland braucht einen Betriebsarzt — das schreibt das Arbeitssicherheitsgesetz vor. Doch ab wann genau gilt die Pflicht? Was kostet ein externer Betriebsarzt? Und welche Aufgaben übernimmt er? In diesem Artikel erfahren Sie alles, was Sie als Arbeitgeber wissen müssen.
Ab wann ist ein Betriebsarzt Pflicht?
Die Antwort ist eindeutig: Ab dem ersten Mitarbeiter. Das Arbeitssicherheitsgesetz (ASiG) verpflichtet jeden Arbeitgeber, einen Betriebsarzt zu bestellen — unabhängig von:
- Unternehmensgröße: Auch ein Betrieb mit einem Minijobber braucht einen Betriebsarzt
- Branche: Vom Büro über die Baustelle bis zur Gastronomie
- Rechtsform: GmbH, Einzelunternehmen, GbR, AG — alle sind betroffen
- Beschäftigungsart: Vollzeit, Teilzeit, Minijob, Werkstudenten, Azubis und Praktikanten zählen
Häufiger Irrtum: Viele Unternehmer glauben, die Betriebsarzt-Pflicht gelte erst ab 10 oder 20 Mitarbeitern. Das ist falsch. Es gibt keine Untergrenze.
Was macht ein Betriebsarzt?
Der Betriebsarzt berät den Arbeitgeber in allen Fragen der Arbeitsmedizin und des Gesundheitsschutzes. Seine Aufgaben nach ASiG §3:
Arbeitsmedizinische Vorsorge
Der Betriebsarzt führt die gesetzlich vorgeschriebenen Vorsorgeuntersuchungen durch:
- Pflichtvorsorge: Muss vor Aufnahme bestimmter Tätigkeiten durchgeführt werden (z. B. Gefahrstoffexposition, extreme Lärmbelastung). Ohne sie darf der Mitarbeiter die Tätigkeit nicht ausüben.
- Angebotsvorsorge: Muss vom Arbeitgeber angeboten werden (z. B. Bildschirmarbeitsplatz, Nachtarbeit). Die Teilnahme ist freiwillig.
- Wunschvorsorge: Kann vom Mitarbeiter auf eigenen Wunsch in Anspruch genommen werden, sofern ein Zusammenhang mit der Arbeit besteht.
Beratung und Beurteilung
- Arbeitsplatzbeurteilung aus medizinischer Sicht
- Beratung zu Mutterschutz und Beschäftigungsverboten
- Unterstützung bei der betrieblichen Eingliederung (BEM)
- Beratung zu Ergonomie und Arbeitsplatzgestaltung
- Mitwirkung bei der Gefährdungsbeurteilung (medizinische Aspekte)
Teilnahme am Arbeitsschutzausschuss
Ab 20 Mitarbeitern muss der Betriebsarzt an der ASA-Sitzung teilnehmen (ASiG §11).
Betriebsarzt bestellen: Intern oder extern?
Externer Betriebsarzt (für die meisten KMU)
Die Mehrheit der kleinen und mittleren Unternehmen nutzt einen externen Betriebsarzt:
- Sofort verfügbar: Keine lange Suche, kein Arbeitsvertrag
- Kostengünstig: Sie zahlen nur die tatsächlich erbrachten Leistungen
- Flexibel: Betreuungsumfang passt sich Ihrer Betriebsgröße an
- Branchenerfahrung: Externe Betriebsärzte betreuen viele verschiedene Unternehmen
Interner Betriebsarzt (für Großbetriebe)
Ein fest angestellter Betriebsarzt lohnt sich in der Regel erst ab ca. 500–1.000 Mitarbeitern oder bei speziellen Anforderungen (z. B. chemische Industrie, Bergbau).
Was kostet ein Betriebsarzt?
Die Kosten hängen von mehreren Faktoren ab:
| Faktor | Einfluss auf Kosten |
|---|---|
| Betreuungsmodell | Regelbetreuung teurer als alternative Betreuung |
| Mitarbeiterzahl | Mehr Mitarbeiter = mehr Einsatzzeit |
| Branche | Höhere Gefährdungen = mehr Betreuungsbedarf |
| Vorsorgeumfang | Pflichtvorsorge erhöht die Kosten |
Typische Kostenspannen
- Kleinbetriebe (1–10 MA): 200–500 € pro Jahr (pauschal)
- Mittlere Betriebe (11–50 MA): 15–40 € pro Mitarbeiter und Jahr
- Größere Betriebe (ab 50 MA): Individuell nach Einsatzzeit, oft 10–30 € pro MA/Jahr
Tipp: Bei einer kombinierten Beauftragung von SiFa und Betriebsarzt aus einer Hand (z. B. über Sifano) sind oft günstigere Paketpreise möglich.
Wer trägt die Kosten?
Die Kosten für den Betriebsarzt trägt vollständig der Arbeitgeber. Sie dürfen nicht auf Mitarbeiter umgelegt werden. Vorsorgeuntersuchungen finden während der Arbeitszeit statt.
SiFa und Betriebsarzt: Zwei Pflichten, ein Ansprechpartner
Das ASiG schreibt neben dem Betriebsarzt auch eine Fachkraft für Arbeitssicherheit vor. Beide Betreuungen sind Pflicht und können nicht gegeneinander aufgerechnet werden:
| Betriebsarzt | SiFa | |
|---|---|---|
| Fokus | Arbeitsmedizin, Gesundheitsschutz | Arbeitssicherheit, technischer Schutz |
| Qualifikation | Arzt mit arbeitsmedizinischer Fachkunde | Ingenieur/Techniker mit SiFa-Ausbildung |
| Aufgaben | Vorsorge, med. Beratung, BEM | Begehungen, GBU, Unterweisungen |
| Rechtsgrundlage | ASiG §2, §3 | ASiG §5, §6 |
Anbieter wie Sifano bieten beides aus einer Hand — das spart Koordinationsaufwand und ist oft günstiger.
Bußgelder bei fehlendem Betriebsarzt
Verstöße gegen die Bestellpflicht können teuer werden:
- Bußgeld bis 50.000 € nach §24 ASiG
- Persönliche Haftung bei Arbeitsunfällen ohne nachgewiesene Betreuung
- BG-Beitragszuschläge bei wiederholten Verstößen
Besonders kritisch wird es, wenn die Berufsgenossenschaft einen Nachweis fordert und Sie keinen Betriebsarzt vorweisen können.
Fazit
Die Betriebsarzt-Pflicht gilt ab dem ersten Mitarbeiter — ohne Ausnahme. Für KMU ist der externe Betriebsarzt die schnellste und kostengünstigste Lösung. In Kombination mit einer externen SiFa erfüllen Sie beide gesetzlichen Pflichten mit minimalem Aufwand. Lassen Sie sich kostenlos beraten, welches Betreuungsmodell für Ihr Unternehmen das richtige ist.
Häufige Fragen
Ab wann ist ein Betriebsarzt Pflicht?
Ab dem ersten Mitarbeiter. Das Arbeitssicherheitsgesetz (ASiG) verpflichtet jeden Arbeitgeber, einen Betriebsarzt zu bestellen — unabhängig von der Unternehmensgröße.
Was kostet ein Betriebsarzt?
Die Kosten variieren je nach Betreuungsmodell, Mitarbeiterzahl und erforderlichen Vorsorgeuntersuchungen. Für KMU liegen sie typischerweise zwischen 15 und 40 Euro pro Mitarbeiter und Jahr.
Kann ich einen externen Betriebsarzt bestellen?
Ja. Die meisten KMU nutzen externe Betriebsärzte, da dies flexibler und kostengünstiger ist als eine interne Lösung.
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