Was kostet eine externe Fachkraft für Arbeitssicherheit?
Was kostet eine externe Fachkraft für Arbeitssicherheit?
Die Bestellung einer Fachkraft für Arbeitssicherheit (SiFa) ist für nahezu jedes Unternehmen in Deutschland gesetzlich vorgeschrieben. Doch gerade kleine und mittlere Unternehmen stehen vor einer zentralen Frage: Lohnt sich eine interne SiFa oder ist die externe Variante wirtschaftlicher? In diesem Artikel schlüsseln wir die Kosten transparent auf, vergleichen beide Modelle und zeigen anhand konkreter Rechenbeispiele, welche Lösung für welche Betriebsgröße sinnvoll ist.
Wenn Sie sich zunächst einen Überblick verschaffen möchten, ob und in welchem Umfang Sie überhaupt eine SiFa benötigen, empfehlen wir unseren Artikel zur Pflicht einer Fachkraft für Arbeitssicherheit.
Warum brauchen Sie eine Fachkraft für Arbeitssicherheit?
Das Arbeitssicherheitsgesetz (ASiG) verpflichtet Arbeitgeber, eine Fachkraft für Arbeitssicherheit zu bestellen. Die genauen Anforderungen an Einsatzzeiten und Qualifikation regelt die DGUV Vorschrift 2. Dabei spielt es keine Rolle, ob Sie die SiFa intern anstellen oder extern beauftragen -- die Pflicht besteht in jedem Fall.
Wichtig: Die Kosten für die sicherheitstechnische Betreuung sind keine freiwillige Ausgabe, sondern eine gesetzliche Pflicht. Wer sie vernachlässigt, riskiert nicht nur Bußgelder, sondern haftet im Schadensfall persönlich.
Interner SiFa: Was kostet eine eigene Fachkraft?
Gehaltskosten
Eine festangestellte Fachkraft für Arbeitssicherheit kostet je nach Qualifikation, Region und Berufserfahrung zwischen 43.000 und 70.000 Euro Bruttojahresgehalt. Hinzu kommen die Arbeitgeberanteile zur Sozialversicherung, die das Gehalt um etwa 20--22 % verteuern.
| Kostenfaktor | Betrag pro Jahr | |---|---| | Bruttojahresgehalt | 43.000 -- 70.000 EUR | | Arbeitgeberanteil Sozialversicherung (~21 %) | 9.030 -- 14.700 EUR | | Gesamte Personalkosten | 52.030 -- 84.700 EUR |
Ausbildungskosten
Haben Sie noch keinen ausgebildeten Sicherheitsingenieur im Unternehmen, müssen Sie einen Mitarbeiter zur SiFa-Ausbildung schicken. Die Ausbildung umfasst drei Ausbildungsstufen und dauert insgesamt mehrere Monate. Die Kosten dafür:
- Lehrgangsgebühren: 4.000 -- 8.000 EUR
- Reise- und Übernachtungskosten: 1.500 -- 3.000 EUR
- Gehaltsfortzahlung während der Ausbildung: je nach Gehalt und Dauer 5.000 -- 15.000 EUR
- Produktivitätsausfall: schwer bezifferbar, aber real
Insgesamt müssen Sie mit 10.000 bis 25.000 EUR einmaligen Ausbildungskosten rechnen, bevor der Mitarbeiter überhaupt tätig werden kann.
Laufende Kosten und versteckte Aufwände
Neben dem Gehalt fallen weitere Kosten an, die gerne übersehen werden:
- Fortbildungen: SiFa müssen sich regelmäßig weiterbilden -- Kosten: 500 -- 2.000 EUR pro Jahr
- Fachliteratur und Software: 300 -- 800 EUR pro Jahr
- Arbeitsplatz und Ausstattung: anteilige Büromiete, IT-Ausstattung
- Abwesenheitskosten: Urlaub, Krankheit, Fortbildung -- in dieser Zeit gibt es keine sicherheitstechnische Betreuung oder Sie brauchen eine Vertretung
Gesamtkosten intern: eine Übersicht
| Position | Kosten pro Jahr | |---|---| | Personalkosten (inkl. AG-Anteil) | 52.030 -- 84.700 EUR | | Fortbildung | 500 -- 2.000 EUR | | Fachliteratur/Software | 300 -- 800 EUR | | Anteiliger Arbeitsplatz | 2.000 -- 5.000 EUR | | Jährliche Gesamtkosten | 54.830 -- 92.500 EUR |
Eine interne SiFa rechnet sich in der Regel erst ab etwa 250--300 Mitarbeitern oder bei besonders hohen Gefährdungen (z. B. Chemie, Bauwirtschaft).
Externe SiFa: transparente Kostenübersicht
Abrechnungsmodelle
Externe Fachkräfte für Arbeitssicherheit bieten in der Regel zwei Abrechnungsmodelle an:
1. Stundenbasierte Abrechnung
- Stundensatz: 40 -- 150 EUR netto
- Typischer Satz für KMU: 70 -- 100 EUR pro Stunde
- Abgerechnet werden die tatsächlich geleisteten Betreuungsstunden
2. Monatliche Pauschale
- Pauschale: 29 -- 150 EUR netto pro Monat
- Abhängig von Betriebsgröße, Branche und Betreuungsgruppe
- Planungssicherheit für beide Seiten
Was ist in den Kosten enthalten?
Eine seriöse externe SiFa bietet in der Regel folgende Leistungen:
- Regelmäßige Betriebsbegehungen
- Beratung zu Arbeitsschutzmaßnahmen
- Unterstützung bei der Gefährdungsbeurteilung
- Teilnahme an ASA-Sitzungen (Arbeitsschutzausschuss)
- Unfallanalysen und Maßnahmenableitung
- Beratung bei Neubeschaffungen und Umbauten
- Dokumentation und Berichterstattung
Berechnung nach Betreuungsgruppen (DGUV Vorschrift 2)
Die DGUV Vorschrift 2 teilt Unternehmen in Betreuungsgruppen ein, die den Mindestumfang der sicherheitstechnischen Betreuung festlegen. Die Einsatzzeiten werden pro Mitarbeiter und Jahr berechnet.
Grundbetreuung: Einsatzzeiten je Betreuungsgruppe
| Betreuungsgruppe | Einsatzzeit SiFa (Stunden pro Mitarbeiter/Jahr) | Typische Branchen | |---|---|---| | Gruppe I | 2,5 h | Bau, Chemie, Bergbau, Metallverarbeitung | | Gruppe II | 1,5 h | Handwerk, Produktion, Logistik, Gesundheitswesen | | Gruppe III | 0,5 h | Büro, Verwaltung, IT, Finanzdienstleistungen | | Gruppe IV | 0,3 h | Einzelhandel (bestimmte Bereiche) |
Hinweis: Zur Grundbetreuung kommt die betriebsspezifische Betreuung hinzu, die je nach Gefährdungslage individuell ermittelt wird. Die Gesamteinsatzzeit liegt in der Praxis daher oft etwas höher.
Rechenbeispiele für verschiedene Betriebsgrößen
Beispiel 1: Bürobetrieb mit 30 Mitarbeitern (Gruppe III)
- Grundbetreuung SiFa: 30 Mitarbeiter x 0,5 h = 15 Stunden pro Jahr
- Bei einem Stundensatz von 85 EUR: 15 x 85 = 1.275 EUR pro Jahr
- Monatliche Kosten: ca. 106 EUR
Zum Vergleich: Eine interne SiFa würde hier mindestens 55.000 EUR pro Jahr kosten -- das 43-fache der externen Lösung.
Beispiel 2: Handwerksbetrieb mit 50 Mitarbeitern (Gruppe II)
- Grundbetreuung SiFa: 50 Mitarbeiter x 1,5 h = 75 Stunden pro Jahr
- Bei einem Stundensatz von 90 EUR: 75 x 90 = 6.750 EUR pro Jahr
- Monatliche Kosten: ca. 563 EUR
Beispiel 3: Produktionsbetrieb mit 120 Mitarbeitern (Gruppe I)
- Grundbetreuung SiFa: 120 Mitarbeiter x 2,5 h = 300 Stunden pro Jahr
- Bei einem Stundensatz von 95 EUR: 300 x 95 = 28.500 EUR pro Jahr
- Monatliche Kosten: ca. 2.375 EUR
Beispiel 4: IT-Unternehmen mit 15 Mitarbeitern (Gruppe III)
- Grundbetreuung SiFa: 15 Mitarbeiter x 0,5 h = 7,5 Stunden pro Jahr
- Bei einem Stundensatz von 85 EUR: 7,5 x 85 = 638 EUR pro Jahr
- Monatliche Kosten: ca. 53 EUR
Kostenübersicht nach Betriebsgröße
| Betrieb | Gruppe | Mitarbeiter | SiFa-Stunden/Jahr | Kosten/Jahr (extern) | Kosten/Monat | |---|---|---|---|---|---| | Büro | III | 30 | 15 | ~1.275 EUR | ~106 EUR | | Handwerk | II | 50 | 75 | ~6.750 EUR | ~563 EUR | | Produktion | I | 120 | 300 | ~28.500 EUR | ~2.375 EUR | | IT-Firma | III | 15 | 7,5 | ~638 EUR | ~53 EUR |
Interner vs. externer SiFa: der direkte Vergleich
| Kriterium | Interne SiFa | Externe SiFa | |---|---|---| | Jährliche Kosten (Beispiel 30 MA) | 55.000 -- 90.000 EUR | 1.000 -- 2.000 EUR | | Ausbildungskosten | 10.000 -- 25.000 EUR (einmalig) | 0 EUR | | Verfügbarkeit | An Arbeitszeiten gebunden | Flexibel nach Vereinbarung | | Vertretung bei Abwesenheit | Muss organisiert werden | Vom Dienstleister sichergestellt | | Branchenexpertise | Auf das eigene Unternehmen beschränkt | Erfahrung aus vielen Betrieben | | Aktualität des Fachwissens | Eigenverantwortliche Fortbildung | Fortbildung ist Sache des Dienstleisters | | Skalierbarkeit | Schwer anpassbar | Leicht skalierbar | | Betriebsinterne Kenntnis | Hoch | Wächst mit der Zusammenarbeit |
Vorteile einer externen Fachkraft für Arbeitssicherheit
1. Keine Ausbildungskosten
Eine externe SiFa bringt alle erforderlichen Qualifikationen bereits mit. Sie sparen sich die mehrmonatige Ausbildung, Lehrgangsgebühren und den Produktivitätsausfall eines internen Mitarbeiters.
2. Keine Abwesenheitskosten
Urlaub, Krankheit, Elternzeit -- all das ist bei einer externen SiFa nicht Ihr Problem. Der Dienstleister stellt sicher, dass immer eine qualifizierte Vertretung verfügbar ist.
3. Sofortige Verfügbarkeit
Während die Ausbildung einer internen SiFa Monate dauert, kann ein externer Dienstleister die Betreuung in der Regel innerhalb weniger Tage aufnehmen.
4. Breite Branchenerfahrung
Externe SiFa betreuen in der Regel Unternehmen verschiedener Branchen. Dieses breite Erfahrungswissen kommt Ihrem Betrieb direkt zugute -- etwa durch Best Practices, die sich anderswo bewährt haben.
5. Immer auf dem neuesten Stand
Änderungen in Vorschriften, neue Technische Regeln oder aktualisierte DGUV-Informationen: Eine gute externe SiFa kennt die aktuelle Rechtslage und berät Sie proaktiv zu notwendigen Anpassungen.
6. Planbare Kosten
Mit einer monatlichen Pauschale wissen Sie genau, was die sicherheitstechnische Betreuung kostet. Keine Überraschungen durch Gehaltserhöhungen, Sozialabgabenänderungen oder ungeplante Fortbildungskosten.
Wann lohnt sich eine interne SiFa?
Trotz der Kostenvorteile einer externen Lösung gibt es Situationen, in denen eine interne SiFa sinnvoll sein kann:
- Große Unternehmen (ab 250+ Mitarbeiter): Ab einer gewissen Betriebsgröße nähern sich die Kosten an, und eine permanente Vor-Ort-Präsenz wird wichtiger.
- Hochrisikobranchen: In Branchen mit besonders hohen Gefährdungen (Chemie, Bergbau, Offshore) kann eine ständige SiFa vor Ort erforderlich sein.
- Komplexe Produktionsprozesse: Wenn die Einarbeitung in die betrieblichen Abläufe so aufwendig ist, dass ein externer Dienstleister deutlich länger braucht, um effektiv beraten zu können.
- Mehrere Standorte mit eigener Betreuung: Unternehmen mit vielen dezentralen Standorten, die jeweils eigene Gefährdungsprofile haben.
Worauf Sie bei der Auswahl einer externen SiFa achten sollten
Nicht jeder Anbieter ist gleich. Achten Sie auf folgende Punkte:
- Qualifikation: Die SiFa muss die Ausbildung nach DGUV Vorschrift 2 nachweisen können (Sicherheitsingenieur, Sicherheitstechniker oder Sicherheitsmeister).
- Branchenerfahrung: Der Dienstleister sollte Erfahrung mit Betrieben Ihrer Branche und Größe haben.
- Transparente Preisgestaltung: Achten Sie auf eine klare Aufschlüsselung der Leistungen und Kosten. Versteckte Gebühren für Anfahrt, Dokumentation oder Telefonberatung sollten vermieden werden.
- Verfügbarkeit: Klären Sie vorab, wie schnell die SiFa bei akutem Bedarf erreichbar ist und wie die Vertretungsregelung aussieht.
- Digitale Dokumentation: Moderne Anbieter arbeiten mit digitalen Tools zur Dokumentation von Begehungen, Gefährdungsbeurteilungen und Unterweisungen.
- Referenzen: Fragen Sie nach Referenzkunden ähnlicher Größe und Branche.
Kosten pro Mitarbeiter: eine nützliche Kennzahl
Um die Kosten für Arbeitssicherheit vergleichbar zu machen, bietet sich die Betrachtung pro Mitarbeiter und Jahr an:
| Betreuungsgruppe | Kosten pro Mitarbeiter/Jahr (extern) | |---|---| | Gruppe I (Bau, Chemie) | 190 -- 375 EUR | | Gruppe II (Handwerk, Logistik) | 105 -- 225 EUR | | Gruppe III (Büro, IT) | 35 -- 75 EUR | | Gruppe IV (Handel) | 20 -- 45 EUR |
Diese Werte basieren auf Stundensätzen zwischen 70 und 150 EUR und beinhalten nur die Grundbetreuung. Die betriebsspezifische Betreuung kann die Kosten um 10--30 % erhöhen.
Häufige Fragen zu den Kosten einer externen SiFa
Sind die Kosten steuerlich absetzbar?
Ja. Die Kosten für eine externe Fachkraft für Arbeitssicherheit sind als Betriebsausgabe voll absetzbar. Gleiches gilt für Ausbildungskosten einer internen SiFa.
Übernimmt die Berufsgenossenschaft die Kosten?
Nein. Die Kosten für die sicherheitstechnische Betreuung trägt der Arbeitgeber. Allerdings kann eine gute Arbeitssicherheit zu niedrigeren BG-Beiträgen führen, da weniger Unfälle gemeldet werden.
Kann ich zwischen intern und extern wechseln?
Ja, ein Wechsel ist jederzeit möglich. Beachten Sie aber die vertraglichen Kündigungsfristen beim externen Dienstleister. Eine Kombination aus interner SiFa für die Grundbetreuung und externem Spezialisten für bestimmte Themen ist ebenfalls möglich.
Was passiert, wenn ich keine SiFa bestelle?
Die Berufsgenossenschaft kann ein Bußgeld von bis zu 10.000 EUR verhängen. Bei einem Arbeitsunfall ohne sicherheitstechnische Betreuung drohen zusätzlich zivilrechtliche Haftung und im schlimmsten Fall strafrechtliche Konsequenzen.
Fazit: Externe SiFa ist für KMU fast immer die wirtschaftlichere Lösung
Für kleine und mittlere Unternehmen mit bis zu 200 Mitarbeitern ist die externe Fachkraft für Arbeitssicherheit in den allermeisten Fällen die deutlich günstigere und flexiblere Lösung. Ein Bürobetrieb mit 30 Mitarbeitern kommt mit monatlichen Kosten von rund 106 EUR aus -- ein Bruchteil dessen, was eine interne Lösung kosten würde.
Entscheidend ist nicht nur der Preis, sondern auch die Qualität der Betreuung. Eine erfahrene externe SiFa bringt breites Fachwissen mit, ist immer auf dem neuesten Stand der Vorschriften und kann sofort starten -- ohne monatelange Ausbildung.
Informieren Sie sich auch über die genauen Anforderungen der DGUV Vorschrift 2, um den Betreuungsumfang für Ihren Betrieb korrekt zu ermitteln. Und wenn Sie wissen möchten, ab wann die Pflicht zur Bestellung einer SiFa überhaupt greift, lesen Sie unseren Leitfaden zur Fachkraft für Arbeitssicherheit: Pflicht für jeden Betrieb.
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